frieden beginnt mit einem lächeln…

ich wollte mal wieder was schreiben und habe versucht meine begegnung mit dem rentner in worte zu fassen, der zwei (nochmal: zwei) familienparkplätze belegte, weil irgendwer irgendwann ja auch mal auf einem behindertenparkplatz stand. nicht, dass er dafür einen ausweis hätte… er war wohl einfach der meinung, ab einem gewissen alter gilt man automatisch als behindert und ist so qua existenz für die derartig bezeichneten parkplätze berechtigt. irgendwie habe ich aber nicht den richtigen dreh gefunden…

ich wollte darüber schreiben, dass es wohl noch andere personen gibt, die diese parkplätze nutzen und dass so die situation eintritt, dass besagter rentner – ich würde ihn als karl-heinz bezeichnen – dort seinen audi nicht abstellen kann und dass rentner ja nicht mehr viel zeit haben, weil sie ja schon älter sind und das ende im blick haben und dass es deshalb eine besonders tolle idee ist, samstag mittag einzukaufen, weil da ja sonst niemand einkauft und deshalb immer ganz viele parkplätze frei sind. außerdem wollte ich darüber schreiben, dass sich mir die logik minutenlang auf einen parkplatz zu warten, nur um 20 meter fußweg zu sparen nicht erschließt…

ach was red ich: karl-heinz ist enttäuscht ob der unbefriedigenden situation, dem vor ihm liegenden fußweg (die holde hat er bereits prozessoptimiert vor der eingangstür des grossisten abgesetzt) und irgendwie auch vom leben insgesamt. es scheint, als passiere ihm das nicht das erste mal. irgendwann in den vergangenen 70 jahren, muss karl-heinz schon mal eine derartige enttäuschung erlebt haben. anders ist seine reaktion nicht zu erklären: er umkurvt die parkreihe, um sich vor den familienparkplätzen in stellung zu bringen. diese liegen ähnlich günstig zum eingang, sind nahezu gleichbreit und familien sind ja auch irgendwie behindert, sonst hätte man ihnen ja nicht ebenfalls eine separate parkzone eingerichtet.
in besagter warteposition, den restlichen verkehr nur unwesentlich behindernd, verharrt er mehrere minuten. als die von ihm zu seinen legitimen vorgängern auserkorenen schlussendlich ihr einkäufe verladen, die kinder verstaut und zu guter letzt auch noch das kfz gestartet und entfernt haben, ist es endlich soweit. karl-heinz parkt. die zwischendurch wieder frei gewordenen behindertenparkplätze nimmt er schon nicht mehr wahr. zu sehr hat er sich auf diesen fleck erde fixiert. ein kurzer, “gollum-esker” ausdruck huscht über sein gesicht, als er den motor stoppt und behende den wagen verlässt – läuft! auf meine frage, wo denn sein kind sei, reagiert er wirsch: die sei schon drin. die folgefrage, wieso er zwei plätze benötigt, verhallt im nichts seiner existenz. er hat bereits die flucht ins innere des supermarkts angetreten. macht aber nichts, ich werde karl-heinz in den folgenden 10 minuten drei weitere male begegnen:

1. im eingangsbereich, als ich zwei meiner drei kinder versuche davon abzuhalten, den einkaufswagen zu entern. karl-heinz irrt etwas orientierungslos durch die reihen. anscheinend sucht er sein “kind”.

“sie haben übrigens weder einen kindersitz im auto, noch einen behindertenausweis.” flöte ich ihm zu.

“wissen sie eigentlich wie oft da leute auf den behindertenparkplätzen stehen, die da gar nicht stehen dürfen?!” entgegnet er.

“nein.”

“sehen sie.” er huscht weiter.

… gut, ich kann mit meinem gesicht jetzt auch fragezeichen formen.

2. am gemüseregal. karl-heinz sucht immer noch. zu diesem zeitpunkt glaube ich nicht mal, dass er mit irgendjemandem da ist, sondern das er sowas einfach hobbymäßig macht, um wochenends mal rauszukommen. irgendwo parken, herumirren, andere ärgern.

ich frage ihn, ob er tatsächlich der meinung ist, weil andere arschlöcher sind, er sich am besten genauso aufführt.

diesmal husche ich weiter.

3. bei den milchprodukten entdecke ich ihn mit einer dame, die ich mal als seine frau bezeichnen würde… oder seine betreuerin (irgendwie auch das gleiche). wir nennen sie uschi.

ich begrüße uschi und frage sie, ob sie weiß, dass ihr vater zwei familienparkplätze belegt. uschi schaut irritiert. karl-heinz möchte seine stimme erheben. ich nehme karl-heinz in den arm. karl-heinz möchte das nicht. uschi schaut irritiert.

ich schlage uschi vor, karl-heinz öfter in den arm zu nehmen. vielleicht kommt karl-heinz dann das leben von karl-heinz nicht mehr ganz so beschissen vor. und vielleicht muss er dann seinen frust nicht mehr in parkplätzen und deren nutzung manifestieren. und vielleicht ist karl-heinz dann zukünftig ein bisschen weniger arschloch.

und vielleicht hat sich das alles auch genauso zugetragen.

über all das wollte ich schreiben. aber wie gesagt, ich habe den dreh nicht gefunden. um über sowas vernünftig schreiben zu können, hätte ich mich aufregen müssen. nur wozu? ich konzentriere mich lieber auf das wesentliche: das lächeln, das meine welt immer besser macht. und nur das zählt…

Kinder

 

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